Loftcube von Werner Aisslinger
Stuhl NIC, Entwurf Werner Aisslinger, Hersteller Magis

Werner Aisslinger

Möbel- und Produktdesigner, Berlin

 

„Während Metall, Stein oder Glas Kühle ausstrahlen, kann Kunststoff warm und weich wirken“, sagt Werner Aisslinger über ein von ihm mit Vorliebe verwendetes Oberflächenmaterial, einer Mischung aus natürlichen Stoffen und Acryl-Polymer. Für Aisslinger, der – wie der fast gleichaltrige Konstantin Grcic – um 1990 im Londoner Studio von Jasper Morrison assistierte, gehört der Umgang mit neuartigen Werkstoffen zu seinen grundlegenden Arbeitsprinzipien. Nur wenn Design auf den rasanten technischen Fortschritt reagiert und die darin steckenden Möglichkeiten ausschöpft, kann es innovativ sein, lautet ein Credo des Wahl-Berliners. So war die Chaiselongue Soft das weltweit erste serielle Möbel, bei dem ein Gel Anwendung fand, das eigentlich für medizinische Zwecke entwickelt wurde. Den Gittersessel Soft Cell hat der Neuerer auf derselben Basis entwickelt. Eine prägnante Gitterstruktur in Lehne und Sitzfläche gibt auch dem Kunststoffstuhl Nic - einer zeitgemäßen Version des Freischwingers - sein charakteristisches Aussehen. Dabei wurden durch die Anwendung der Gasinjektionstechnik zugleich die Stabilität erhöht und Gewicht eingespart.

 

Aisslingers Aufstieg begann Mitte der 90er Jahre. Gleich sein erstes Produkt, das Additionsregal Endless Shelf, wurde zum Verkaufsschlager und zum Start einer Karriere, die den Wahl-Berliner – neben Grcic – zur Leitfigur einer neuen Generation im deutschen Möbeldesign machte. Auch dass seine Entwürfe bald im Programm namhafter italienischer Möbelhersteller vertreten waren, machte dies deutlich. In der deutschen Vorzeigedisziplin der Kastenmöbel hat er – anknüpfend an deutsche Modernisten wie Herbert Hirche und Peter Maly - inzwischen auch für Behr und Interlübke Systeme entworfen. Beim System Level 34 (2005 für Vitra) hat er die Idee eines freistehenden modularen Möbels ins Büro übertragen. Ein weiteres Betätigungsfeld sind – neben Ladeneinrichtungen und Ausstellungsarchitektur – die Sitzmöbel. Hier gelang ebenfalls ein spektakulärer Einstand. Das Modell Juli von 1996 fiel nicht nur durch seine femininen Linien – mit deutlichen Anklängen an die 50er Jahre – auf, sondern auch durch den verwendeten Synthetikschaum. Aisslingers Wohnvisionen reichen über das Einzelmöbel hinaus. Sein Projekt Loftcube, eine flexible Raumeinheit, die auf die Flachdächer der Metropolen gehievt werden kann, zielt auf den nomadenhaften Lebensstil heutiger Großstadtmenschen.