Trude Petri

Töpferin, Bildhauerin,Malerin und Designerin, geb. 1906, gest. 1998

 

Trude Petri gehört wie die Bauhaus-Studenten Kitty Fischer, Grete Reichardt und Franz-Rudolf Wildenhain zu einer jungen Generation der Kriegskinder, für die Avantgardismus und Neue Sachlichkeit nicht mehr erkämpft werden mussten, sondern sich nahezu selbstverständlich ergaben. Neben Hedwig Bollhagen, Marguerite Friedlaender Hermann Gretsch und Margarete Heymann-Marks wurde sie zu einer Pionierin moderner Porzellangestaltung. Die Norddeutsche, Tochter eines Pelzwarenhändlers aus Hamburg, beginnt dort als 19-jährige eine zweijährige Töpferausbildung an der Staatlichen Schule für freie und angewandte Kunst (bis 1927) und schließt ein Studium an der Hochschule für Bildende Kunst an. Schließlich arbeitet sie ab 1929 als Gestalterin für die Staatliche Porzellan-Manufaktur (heute wieder Königliche Porzellan-Manufaktur, kurz KPM) in Berlin, deren neuer Geschäftsführer Günther von Pechmann den Werkbund-Idealen verpflichtet ist, kompromisslose, serientaugliche Formen erwartet und um 1930 gleich mehrere neue Service auf den Markt bringt, u. a. auch von Friedlaender. Petri, seit 1929 fest angestellt, entwirft 1931 ihr berühmtes Service Urbino, das den Prinzipien materialgerechter Form und klarer Reduktion entspricht. Im Gegensatz zu Friedlaender, die bereits 1933 emigrieren muss, kann sie auch unter der NS-Herrschaft weiterarbeiten, und zwar im selben Stil. Nachdem die Berliner Manufaktur 1943 ausgebombt wird, erfolgt ein Umzug in die Porzellanstadt Selb, von wo sie nur kurz nach Berlin zurückkehrt. 1949 geht sie nach Amerika, arbeitet aber bis 1967 weiterhin an Entwürfen für KPM.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009