Rolf Heide
Innenarchitekt, Möbeldesigner, Ahrensburg / Schleswig - Holstein
Jeder kennt seine Bilder. Die effekt- und manchmal auch stimmungsvollen Interieurs, die er für Kataloge und Anzeigen der Firmen Bofinger, Thonet oder Duravit arrangierte, sind Teil der kollektiven Erinnerung. So ist Philippe Starcks Badewannen-Solitär von 1994 vielleicht erst durch Heides lichtbildnerische Präsentation in einem ländlichen Ambiente zur Ikone geworden. Obwohl manchmal die Ansicht vertreten wird, dass seine Möbel nicht den Stellenwert seiner Rauminszenierungen hätten, ist sein Werk als Möbel- und Leuchtendesigner, das er für namhafte Hersteller wie COR, DePadova, Wohnbedarf, WK, Vorwerk und in neuerer Zeit für Interlübke realisierte, doch recht beeindruckend. Heide, ausgebildeter Tischler und Innenarchitekt, sammelte wichtige Berufserfahrung als Mitarbeiter von Zeitschriften, so beim Frauenmagazin Brigitte, für das er regelmäßig das „Brigitte-Zimmer“ inszenierte und fotografierte, sowie bei Schöner Wohnen, Deutschlands größter und damals noch richtungweisender Einrichtungszeitschrift (wo auch Peter Maly und Siegfried Bensinger ähnliche Funktionen inne hatten). „Konnte man sich in den 60er Jahren keinen Eames leisten, so gönnte man sich als Kenner von Qualität eben ein Möbel von Rolf Heide“, beschrieb ein Designkritiker ein wenig ironisch Heides Rolle. Zweifelsohne zählt er zu den herausragenden Figuren der deutschen Designszene. Dennoch wurde der Vielseitige in der einschlägigen Literatur häufig übergangen – vielleicht weil er nicht recht in ein Schema passt. Er entwarf einen Rolltisch als Alternative zum traditionellen Teewagen, ein Kinderhaus, Klappstühle (für Wohnbedarf) und eine Holzküche (für Habit). Für Bulthaup schrieb und gestaltete er ein Buch über die Küche als Lebensraum. „Es wird viel zu viel Überflüssiges entworfen“, schreibt der Norddeutsche mit dem Faible fürs Formfasten seiner eigenen Branche ins Stammbuch. Einigen seiner Entwürfe wird mittlerweile Klassikerqualität nachgesagt, darunter die Stapelliege aus den 60er Jahren (heute Müller Möbelwerkstätten), das montierbare Sitzmöbel Sofabank und das modulare Schrankprogramm Container. Heide, der unter Kollegen als „Ästhetik-Pedant“ gilt, verfolgt konsequent seine Vorstellung vom mobilen, unkonventionellen und unkomplizierten Wohnen, wie z. B. bei einer Anfang der 90er Jahre vorgestellten Containerküche, die nach dem Prinzip rollbarer Bücherregale in großen Bibliotheken funktioniert.


