Paul Klee
Maler, geb. 1879, gest. 1940
Jünger als Wassily Kandinsky und älter als Walter Gropius, ist Paul Klee eine der großen Leitfiguren dieser Zeit. Als einer der Protagonisten der frühen deutschen Avantgarde spielt er eine herausragende Rolle am Bauhaus, das er einJahrzehnt lang begleitet. Als Meister der Abstraktion prägt er das Image der Hochschule wesentlich. Den Konflikt zwischen Kunst und Design löst er durch Betonung seiner Professorenrolle. Mit seinem elitären Kunstverständnis steht er dem Werkstattgedanken und der Annäherung an die Industrie grundsätzlich skeptisch gegenüber. Der Vater Musiklehrer, die Mutter Sängerin, scheint seine Karriere vorbestimmt, zumal er selbst bereits in jungen Jahren ein sehr guter Geiger ist. 1899 nach dem Umzug der Familie nach München nimmt er jedoch gegen den Wunsch der Eltern Zeichenunterricht und studiert an der Münchner Akademie bei Franz von Stuck. 1911 lernt er Kandinsky kennen, dessen Gruppe Der Blaue Reiter er sich anschließt. 1914 unternimmt er mit August Macke und Louis Moilliet die berühmt gewordene Tunis-Reise. Im Ersten Weltkrieg bleibt ihm der direkte Fronteinsatz erspart. Während dieser Zeit zeigt die Berliner Galerie Der Sturm mehrmals seine Bilder. Im Oktober 1920 wird er ans Bauhaus Weimar berufen, an dem auch sein 1907 geborener Sohn Felix als einer der jüngsten Bauhäusler studiert. Er gehört, neben Gerhard Marcks, Johannes Itten, Lyonel Feininger und etwas später auch Kandinsky, zu den Persönlichkeiten der modernen Kunst mit hoher Reputation. So ist er einer der Spezialisten für Innovationsimpulse und zudem Garant gegen den Rückfall in alte akademische Positionen. Er übernimmt zunächst die Leitung der Buchbinderei (bis 1922) und Glasmalerei (bis 1925), zwei eher periphere Werkstätten. Danach gibt er nur noch seinen Kursus in elementarer Gestaltungslehre und unterrichtet ab 1927 eine freie Malklasse. Der von Walter Gropius 1923 verkündeten „neuen Einheit von Kunst und Technik“ steht er eher ablehnend gegenüber. 1925 erscheint in der Reihe der Bauhaus-Bücher sein Pädagogisches Skizzenbuch. Mit seiner auf Harmonie und Totalität zielenden Farb- und Formenlehre, die er über seinen Grundkurs dem Gros der Studierenden vermittelt, nimmt er Einfluss auf das Denken, die Wahrnehmung und indirekt auch auf die Gestaltung, nicht zuletzt in der Weberei, deren Arbeiten sich stark von Klees Kompositionen inspirieren lassen. Dies ist an zahlreichen Teppichentwürfen von Anni Albers, Gertrude Arndt, Benita Koch-Otte, Grete Reichard, Gunta Stölzl u.a. ablesbar. Die oft als Bürde empfundene Lehre ist ein Hauptgrund für seinen Abschied. 1931 verlässt er das Bauhaus und übernimmt eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie, die er 1933 verliert. Er kehrt nach Bern zurück, wo er kurze Zeit später unheilbarerkrankt. Die Schweizer Staatsbürgerschaft, um die er sich unablässig bemüht hatte, wird ihm 1942 posthum erteilt.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

