Otto Haesler

Architekt und Möbeldesigner, geb. 1880, gest. 1962

 

1906 ging er von Frankfurt nach Celle und machte sich selbstständig. Das Städtchen in der Lüneburger Heide erlebte geradeeinen industriellen Aufschwung, und der Keksfabrikant HarryTrüller wurde zum Mentor des jungen Haesler. Dieser prägtedas Stadtbild mit einer großen Zahl moderner Bauten, bis er 1934 vertrieben wurde. Einer Auseinandersetzung mit dem Jugendstil folgten Ausflüge in Heimatschutz und Neoklassizismus. Sein ganzheitlicher Ansatz wurde bereits 1911 bei der Siedlung Berggartenstraße deutlich, für die er auch Innendekorationenwie die Gartengestaltung vorgab. Dieses umfassende Konzept verfolgte Haesler in den 20er Jahren weiter, als er sichauf gute, preiswerte Wohnungen für »kleine Leute« konzentrierte, die er unter dem Leitmotiv »Licht, Luft und Sonne füralle« zu rationalisieren suchte. So wurde er zum Wegbereiterdes Zeilenbaus und lieferte Modelle für einen sachlichen, vonallem überflüssigen Dekor entschlackten Wohnstil. Dazu gehörteauch die Küchenreform wie etwa bei seinem Celler »Versuchshaus« oder bei der Villa Steinberg.

 

Die als musterhaft gelobte Siedlung Georgsgarten von 1926, ein frühes, eigenständiges Beispiel des »Neuen Bauens«, brachte ihm landesweit Anerkennung. Als Mitglied von »Der Ring«, einer Vereinigung progressiver Architekten, war er ein wichtiger Verrtreter der »Modernen Bewegung«, vergleichbar mit Ferdinand Kramer in Frankfurt oder Karl Schneider in Hamburg. In seiner Siedlung Dammerstockin Karlsruhe, deren Ausführungsplanung er gemeinsammit Walter Gropius übertragen bekam, stattete Haesler dieWohnungen erstmals mit selbst entworfenen celler volksmöbeln (cvm) aus: »gut konstruierte metallmöbel für niedrigenpreis«, für die der Hannoveraner Künstler Kurt Schwitters die Werbung entwarf. Diese Typenmöbel aus zumeist lackiertem Stahlrohrgestell und Sperrholzplatten, zu denen Stühle, Hockerund Tische gehörten, wirken äußerst asketisch. So prägt den Stuhl Nr. 2 ein sehr reduzierter, grafisch prägnanter Aufbau, beidem das Rohr in einer Vertikalen direkt in die Vorderbeineübergeht. Zeitgleich begann Haesler mit der Vermarktung typisierter Eigenheime. Der Neuerer wollte immer seine zum Teilals dogmatisch kritisierten Verbesserungen der Wohnkultureiner breiten Bevölkerungsschicht zukommen lassen, was ihm in jener Zeit wie kaum einem anderen auch gelang.