Naum Slutzky

Maler, Bildhauer und Regisseur, geb. 1894, gest. 1965

 

Der mehrfache Einwanderer gehörte zur vom Reformgeist erfassten Generation von Marianne Brandt und Johannes Itten, und er ist auch ein Beispiel für die um diese Zeit einsetzende jüdische Einwanderung aus dem Osten. Deutschland blieb aber eine zwar intensive, aber nur relativ kurze Zwischenstation. So ist sein Lebensweg exemplarisch für die Zerrissenheit der Zeit, aber auch für die grenzübergreifende Wirkung der Bauhaus-Experimente. Der Sohn eines Goldschmieds tritt zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und wird ebenfalls Goldschmied in Wien, wohin die Familie aus Angst vor Pogromen 1905 emigriert war. Nach seiner Lehre arbeitet er für die Wiener Werkstätte und nimmt 1914 ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Wien auf, besucht aber ab 1917 ebenfalls die freie Kunstschule von Itten. Diese Erfahrung ist für den 23-jährigen prägend und öffnet ihm zwei Jahre später die Türen zu einer Anstellung am Bauhaus. Auf Ittens Vermittlung kann er 1919 eine Stelle als Leiter in der Metallwerkstatt antreten und ab 1921 sogar selbständig eine Goldschmiedewerkstatt führen. Seine Würfelkonstruktion aus diesem Jahr ist eine Mischung aus Formübung und Raumobjekt. Von ihm stammen außerdem Dosen und Kannen in einfachen geometrischen Formen sowie Schmuck. 1922 legt er die Meisterprüfung ab. 1924 heiratet er die Bauhaus-Weberin Hedwig Arnheim und zieht mit ihr nach Wien. Dort betreibt er im Sommerhaus seines Vaters eine Werkstatt, bis er 1925 nach Berlin zieht und u.a. mit den „Werkstätten Bildender Kunst“ der Bauhaus-Schüler Friedl Diecker und Franz Singer in Friedenau zusammenarbeitet. 1926 ist er an der Itten-Schule in Berlin tätig und geht anschließend nach Hamburg, wo er eine eigene Goldschmiede und 1928 die Firma Nachmann Slutzky Beleuchtungsartikel gründet. Seine Tisch-, Steh- und Deckenlampen, teilweise mit Opalglas, reflektieren eine neusachliche Herangehensweise. Die Familie emigriert 1933 nach Großbritannien, wo er Hochschulkarriere macht. Hier ist er bis in die sechziger Jahre als Designdozent in Totnes, Birmingham, Bromley und London tätig. 1950 gründeter die Abteilung für Produktdesign an der renommierten School of Industrial Design in London. 1957 bis 1964 leitet er die Abteilung für Industriedesign im College of Arts and Crafts, Birmingham. 1965 erhält er einen Lehrauftrag am Ravensbourne College of Art.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009