Marguerite Friedlaender
Keramikerin, geb. 1896, gest. 1985
Als Bauhäuslerin der ersten Stunde und Erneuerin der Gebrauchskeramik gehört sie zur Generation von Marianne Brandt und Alma Buscher, die vom Geist der modernen Kunst und der Reformzeit erfasst sind. Sie ist eine Künstlerpersönlichkeit, deren polyglottes und spannungsreiches Leben filmreif ist, und in dem sich die Antagonien der jüngsten deutschen Geschichte widerspiegeln. Aufgewachsen in Frankreich, geht die Tochter einer jüdischen Händlerfamilie in Lyon, Berlin und Folkstone aufs Gymnasium. Der Vater Deutscher, die Mutter Engländerin, beginnt die Multikulturelle 1914 ein Studium in Zeichnen und Bildhauerei an der staatlichen Kunstgewerbeschule in Berlin. Ab 1916 arbeitet sie als Dekorentwerferin für die Porzellanmanufaktur Rudolfstadt Auf einem Kurzbesuch in Weimar sieht die 23-jährige im Oktober 1919 zufällig das Bauhaus-Manifest von Walter Gropius und entschließt sich kurzerhand, dort noch einmal ein Studium zu beginnen. Nach bestandenem Probesemester und dem Vorkurs bei Johannes Itten geht sie als eine der wenigen Frauen nicht in die Weberei, sondern studiert in der Keramikwerkstatt unter Gerhard Marcks. Hier gehört sie neben Theodor Bogler und Otto Lindig zu den produktivsten Studierenden und legt 1922 ihre Gesellinnenprüfung ab. Nach der Schließung des Bauhauses in Weimar geht sie auf Empfehlung von Marcks an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichstein in Halle, wo sie selbständig eine keramische Werkstatt einrichtet, eine Produktion aufbaut und 1926 ihre Meisterprüfung besteht. 1929 kommt sie in Kontakt mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin, für die sie Porzellan im Stil der Neuen Sachlichkeit entwirft. Erfolgreiche Entwürfe sind die Teekanne von 1930, das Service Giebichenstein im selben und das Service Hallesche Form im Jahr darauf. 1930 heiratet sie Franz Wildenhain, den sie am Bauhaus kennen gelernt hatte. 1933, nach der Entlassung durch die Nationalsozialisten, emigriert das Paar zunächst gemeinsam nach Holland und baut dort eine Keramikwerkstatt auf. 1940 geht Friedlaender allein in die USA, da ihr Mann kein Visum erhält. Dort gründet sie 1942 in Kalifornien die Künstlerkolonie Pond Farm und an lehrt an verschiedenen Universitäten. 1949 folgt ihr Mann, aber die Ehe zerbricht. Bis in die achtziger Jahre veranstaltet Friedlaender auf der legendären Pond Farm künstlerische Sommerkurse und Workshops für Studenten.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

