Justus Kolberg
Möbeldesigner, Hamburg
„Schlicht, aber nicht banal!“ Seinen Gestaltungsanspruch fasst er in ein Motto, das so reduziert ist wie die darin verpackte Botschaft. Was damit gemeint ist, demonstriert der gebürtige Schleswig-Holsteiner in seinen Arbeiten, wie etwa der neuen Garderobe der Serie Hook (für Schönbuch) oder das Schranksystem Kvaro (für Flötotto), ein denkbar einfaches, auf dem Quadrat basierendes Allroundmöbel in der Nachfolge des legendären Profilsystems. Schon als er 1991 aufgrund seiner Diplomarbeit zum „Design Champion“ gekürt wurde, kündigte sich eine ungewöhnliche Karriere an, die mit einem Zwischenaufenthalt in Italien begann. Als er bei der Firma Castelli erstmals einen wohlgestalteten Stuhl in große Serie gehen sah, packte ihn die Leidenschaft für die Königsdisziplin der Designer. Nach einigen Jahren beim Möbelhersteller Tecno und beim Designbüro Wiege machte sich Kolberg Ende der 90er Jahre selbständig. Inzwischen kreiert er gemeinsam mit dem Dänen Erik Simonsen Wegweisendes fürs Büro und wird in Fachkreisen für seine schnörkellosen und stimmigen Entwürfe geschätzt. Einem größeren Publikum ist der Aufsteiger dagegen noch kaum bekannt, obwohl er bereits Besuch von einigen Journalisten hatte. Kolberg gehört zur Garde der Problemlöser. An konstruktiven Details, Verbindungen und Statik wird so lange gefeilt, bis das Optimum erreicht ist. Das sieht man dem fertigen Stuhl zumeist gar nicht mehr an. Sein erster großer Wurf war der schlanke Klappstuhl 08 (1992 für Tecno). Es folgten die eleganten Konferenzmöbel Confair (1994 für Wilkhahn), das Tischprogramm Verso (2000 für Renz) und der Drehstuhl Phoenix (2002 für Kusch), aber auch Holz- und Gartenstühle. Diese Arbeiten für international renommierte Hersteller aus der Objektmöbelindustrie wurden fast ausnahmslos mit Designlorbeer bedacht. „Mit sensibler Intelligenz zu eleganter Einfachheit“, verrät er sein Rezept, das sich abermals simpel anhört, aber trotzdem keinen Kopierschutz braucht.


