Joseph Maria Olbrich
Architekt und Designer, geb. 1867 in Troppau, gest. 1908 in Düsseldorf
Olbrich wurde in Troppau - also im damals zu Österreich gehörenden Sudetenland - als drittes Kind einer wohlhabenden Unternehmerfamilie geborender. Das Gymnasium brach er frühzeitig ab, was ihn mit manchem Protagonisten der Ersten Moderne verbindet. 1882 ging er trotzdem zum Studium nach Wien, um in die Architekturklasse der Wiener Staatsgewerbeschule einzutreten. Zu seinen Lehrern gehörten Julius Deininger und Camillo Sitte. Nach vier Jahren machte Olbrich sein Abschlussexamen mit „vorzüglich“. Anschließend arbeitete er kurzfristig als Bauzeichner, um ab 1890 an die Wiener Akademie zu gehen. Dort gewann mit seinen Entwürfen mehrere Preise und wurde Lieblingsschüler vom großen Otto Wagner.
1897 entstand die Ausstellungshalle für die von Gustav Klimt angeführte, abtrünnige Künstlergruppe Secession, ein kleines Gebäude, das große Kontroversen und Folgeaufträge brachte. Der wichtigste kam aus Darmstadt. Dort engagierte ihnGroßherzog Ernst Ludwig von Hessen, der häufig Wien besuchte und die englische Bewegung Arts and Crafts gut kannte. Der inspirierte Adlige innitierte die weltweit erste Mustersiedlung, die sogenannte "Künstlerkolonie" auf der Mathildenhöhe. Der 33-jährige Olbrich, ihr künstlerischer Leiter, bezog das höchste Gehalt und wurde in der Folge Professor und Hesse. Er war der einzige Architekt in der Künstlergruppe, denn der ebenfalls sehr erfolgreiche Peter Behrens hatte als Maler angefangen. Weniger gut kam Olbrich mit dem Verleger Alexander Koch aus, der ihn in seinen für die Kolonie wichtigen Zeitschriften Innendekoration und Deutsche Kunst und Dekoration selten erwähnte.
Die Künstlerkolonie, die als Initialzündung der Reformzeit gelten kann (vgl. Bernd Polster, bauhaus design, Köln 2009 S. 15ff) wurde zum Experimentierfeld für Olbrich,der künstlerisch den Übergang vom schwelgerischen Jugendstil zum versachlichten Reformstil repräsentiert, aber auch Einflüsse des englischen Cottagestils verarbeitetze. Die Archtiktur, darunter neben etlichen Villen auch das Hauptgebäude, umfasste natürlich ganz im Sinne des Gesamtkunstwerks auch die Innenausstattung. An Inventar entwarf er Geschirr, Möbel und Musikinstrumente, wie den Mand-Olbrich-Flügel. 1903 heiratete Olbrich in Wiesbaden Claire Morawe, die geschiedene Frau des Schriftstellers Christian Ferdinand Morawe. Nun war er eine Berühmtheit. Seine Beiträge für die Weltausstellung in St. Louis - wo sich die deutschen Reformkräfte trafen - machten so großen Eindruck, dass er korrespondierendes Mitglied des American Institute of Architects wurde.
1904 gab es eine Folgeausstellung auf der Mathildenhöhe. 1906 erhielt Olbrich seinen größten Auftrag: das WarenhausTietz (heute Kaufhof). Im selben Jahr fand der Stapellauf des Transatlanti-Postdampfers Kronprinzessin Cecilie statt, ein auch stilistisch äußerst ambitioniertes Projekt, an dessen Ausstattung neben Olbrich unter anderem auch Bruno Paul und Richard Riemerschmid mitwirkten. In Kooperation mit der Firma Opel, für die er zwei Jahre zuvor Automobilentwürfe geliefert hatte, entstand 1908 in Darmstadt eine kaum beachtete "Kleinwohnungskolonie" für Arbeiter, deren Ästhetik ihrer Zeit weit voraus war. Im selben Jahr starb Olbrich, nur 40 Jahre alt. Obwohl er in seinem kurzen Leben ein beachtliches Oevre zustande brachte und die frühe, Erste Moderne entscheidend mitprägte, ist er in deren Annalen bis dato kaum vorgekommen.





