Joseph Hartwig
Steinmetz und Bildhauer, geb. 1880, gest. 1956
Joseph Hartwig gehört rein zeitlich der Professorengeneration eines Josef Albers oder Walter Gropius an, die das boomende und doch stillose Ende des 19. Jahrhunderts in ihrer Jugend erlebt haben.Mit seiner soliden handwerklichen wie künstlerischen Vorbildung ist er ein Idealfall für die Doppelstrategie am Bauhaus. Sein Beitrag zum Design ist solitär. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts absolviert er eine Steinmetz- und Bildhauerlehre im Münchener Künstlerviertel Schwabing und macht sich bereits als 18-jähriger selbständig. 1897 bringt er am berühmt gewordenen, von August Endell entworfenen Jugendstil-Atelier Elvira das Drachenrelief an der Straßenfront an. Er belegt Abendkurse in Aktzeichnen und -modellieren und schließt 1908 ein vierjähriges Studium an der Münchener Akademie an, das er ordentlich abschließt. 1910 geht er nach Berlin und ist dort als Friedhofsbildhauer tätig. Im Ersten Weltkrieg wird er nahezu die gesamte Zeit über als aktiver Soldat in Frankreich und zum Schluss in der Kriegsgräberabteilung in Polen eingesetzt. Danach arbeitet er erneut in Berlin. Im Frühjahr 1921 wird er von Gropius als Werkmeister der Stein- und Holzbildhauerei ans Bauhaus Weimar geholt und arbeitet u.a. mit Oskar Schlemmer an der künstlerischen Ausgestaltung des von Henry van de Velde entworfenen Hochschulgebäudes. Seine abstrakten Schachfiguren, als Bauhaus-Schachspiel berühmt geworden, sind eine Ausnahme im Schaffen des Kunsthandwerkers, obgleich sie sich gut einpassen und ein Musterbeispiel für die Innovativationskraft des Bauhaus-Milieus darstellen. 1925 folgt er dem Bauhaus nicht nach Dessau, sondern geht wie Christian Dell und Adolf Meyer ins Neue Frankfurt an die dortige Kunstschule. Hier unterrichtet er bis 1945 Bildhauerei und entwirft den ersten Friedhof der Neuen Sachlichkeit. Er leitet nach dem Zweiten Weltkrieg die Restauratorenwerkstatt der Städtischen Skulpturengalerie.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

