Henry van de Velde

Künstler, Architekt und Möbeldesigner, geb. 1863, gest. 1957

»Die Schönheit hat über jede Tätigkeit Macht«, schrieb er 1899 in einem viel beachteten Artikel. Der belgische Architekt undTheoretiker, der in Antwerpen und Paris studierte, war eine jener polyglotten Persönlichkeiten, die in der reformfiebrigen Zeit um 1900 zu Pionieren neuer Formgebung wurden. Van de Velde hatte sich unter dem Einfluss der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung der Gebrauchskunst zugewandt und wurde zu einem der führenden Vertreter des Jugendstils. Bei seinem Haus in Uccle (1895) zeigte sich bereits diese leichte, elegante Linienführung, die seinen ganz speziellen Stil ausmachte unddie sich im Mobiliar wie dem Stuhl Bloemenwerf wiederfand. Bald wurde der junge Architekt auch in Deutschland bekannt, insbesondere durch Aufträge aus Berlin, wie die Ausstattung der Kunsthandlung Keller & Reiner und der Havanna-Compagnie in feinstem Jugendstil. Das war nicht nur eine Augenweide und eine Attraktion für die Kundschaft, sondern auch der Versuch, die Hierarchie der Künste aufzuheben und sie in den Dienst der Alltagsgestaltung zu stellen. Seine Möbel schuf der Nietzsche-Anhänger im Geist der freien Gestaltung und des Gesamtkunstwerks – dabei blieb er Realist.

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