Hans "Nick" Roericht
Produktdesigner und Designforscher, Ulm / Baden-Württemberg
Auch heute noch empfiehlt er die „Emanzipation der Gestalter von der bunten Warenwelt“. Hans „Nick“ Roericht studierte Ende der 50er Jahre an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, an der er sein analytisches Rüstzeug erwarb. In seiner Diplomarbeit entwickelte er 1959 das Stapelgeschirr TC 100 (heute Rosenthal), das erste seiner Art und eine der Inkunabeln des Essfunktionalismus. Seit mehr als vierzig Jahren wird es hergestellt, denn es lässt sich gut verstauen und ist dennoch ansehnlich. Nach Aufenthalten in den USA gründete er Ende der 60er Jahre in Ulm das Büro Produktentwicklung Roericht / Designresearch, das sich zu einem der erfolgreichsten deutschen Studios für Produktdesign und Designberatung entwickelte und Roericht zu einem gefragten Mann machte. Für die Lufthansa entstand ein Bordgeschirr (1971). Anfang der 70er Jahre war er zum Professor an die Hochschule der Künste in Berlin berufen worden. In seiner Person kam es zur Synthese des kritischen Ulmer Ansatzes mit Inhalten der Studentenbewegung, eine Mischung, die einiges zum Designaufbruch der 80er Jahre beitrug. Parallel dazu arbeitete er für Firmen wie Lufthansa, Pirelli und Rosenthal und übernahm Projekte zur „Humanisierung der Arbeitswelt“ oder auch zur „Ausstattung eines Heims für geistig Behinderte“. In den Beginn der 70er Jahre datieren die Anfänge der wohl intensivsten Arbeitsbeziehung zur Firma Wilkhahn. Für den Büromöbelhersteller entwickelte er Stuhlprogramme und später auch eine ganze Serie von Studien, die sich mit Themen wie „Neue Konferierkonzepte“, „Zukünftige Wilkhahn-Produkte“ oder „Zukunft des Sitzens“ beschäftigten. Fast nebenbei enstanden dabei auch wegweisende Büromöbel. Darunter der Konferenzsessel 190 (1976) und die aus Bauelementen kombinierten Wartesitze 840 (1979). Schließlich hatte das Hinterfragen des Sitzens am Schreibtisch bereits zum Konzept eines Stehsitzes geführt, der zur aktiven Bewegung zwingt. Ein wegweisender mobiler Möbeltypus, der rund zwei Jahrzehnte später als Stitz in Produktion ging (Wilkhahn 1991).


