Gyula Pap

Silberschmied, Lithograph und Designer, geb. 1899, gest. 1983

 

Der Südungar Pap ist exemplarisch für die Internationalität der Studentenschaft des Bauhauses, in der die Ungarn nach Österreichern und Schweizern die drittgrößte Gruppe stellen. Er geht wie die Silberschmiede Naum Slutzky, Otto Rittweger, Wolfgang Tümpel und viele andere den Schritt zum Industriedesign. 1912 zieht er 13-jährig mit seiner Familie nach Österreich. Zwei Jahre später besucht er die grafische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und geht nach einem kurzen Zwischenspiel in Budapest an die private Kunstschule von Johannes Itten in Wien (wo auch Slutzky und Richard Winkelmayer studieren). 1920 nimmt er sein Studium am Bauhaus auf, wo er nach dem Vorkurs bei Itten in der Metallwerkstatt aufgenommen wird, deren Leiter Itten zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ist. Unter seinen Entwürfen befinden sich Kannen, Kerzenleuchter und Lampen. Er absolviert eine Silberschmiedelehre, besucht 1923 außerhalb des Bauhauses den De-Stijl-Kurs bei Theo van Doesburg, besteht seine Gesellenprüfung und reist im September nach Siebenbürgen. Dort arbeitet er als Lithograph und ist ab 1926 an Ittens Kunstschule in Berlin bis zu deren Schließung im Jahr 1933 als Lehrer tätig. 1934 kehrt er nach Ungarn zurück und arbeitet dort u.a. als Textilzeichner. Nach Kriegsende gründete er wie sein Lehrer Itten eine eigene Malerschule in Ungarn und wird 1949 Professor an der Hochschule für Bildende Kunst in Budapest (bis 1962).

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009