Gertrud Arnd

Weberin und Fotografin, geb. 1903, gest. 2000

 

Als 14-Jährige im Krieg schloss sich die höhere Tochter den „Wandervögeln“ an wie auch ihr späterer Mann Alfred Arndt und etliche andere Bauhäusler, die eine andere Welt ersehnten. Sie gehörte zur Weberei, der „Frauenklasse“ im Bauhaus, und fand trotzdem ihr eigenes künstlerisches Ausdrucksmittel als Fotografin. Die jugendbewegte Hantschk besucht 1919 die Kunstgewerbeschule in Erfurt. In diese Zeit fällt der Erwerb einer Mittelformatkamera und sie erstellt erste Fotoarbeiten. 1923 kommt sie ans Bauhaus. Nach demVorkurs bei László Moholy-Nagy sowie Unterricht bei Paul Klee und Wassily Kandinsky studiert sie hauptsächlich in derWeberei bei Georg Muche, besucht aber auch als einzige Frau den Architekturkurs von Adolf Meyer. Vom Sommersemester 1924 bis zum Wintersemester 1927 arbeitet sie in der Weberei. In den abstrakten Mustern und Rechteckstrukturen ihrer Textilien zeigt sich der Einfluss von Klee. 1927 schließt sie ihr Studiummit der Gesellenprüfung vor der Innung in Glauchau ab und heiratet im selben Jahr den Meister Alfred Arndt,mit dem sie nach Probstzella zieht. 1929 kehrt sie mit ihrem Mann nach Dessau zurück, arbeitet in der Weberei unter Gunta Stölzl und in der neuen Abteilung für Fotografie unter Walter Peterhans. Sie besitzt nun eine Leica-Kleinbildkamera, die Modernste auf diesem Gebiet. Es entstehen anspruchsvolle, teilweise experimentelle und neusachliche Fotoarbeiten, darunter eine ungewöhnliche Serie inszenierter Selbstporträts. 1932 zieht sie mit ihrem Mann nach Probstzella, 1948 nach Darmstadt. In den achtziger Jahren wird sie als Fotografin wiederentdeckt.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009