Georg Muche

Maler und Architekt, geb. 1895, gest. 1987

 

Georg Muche gehört zu den frühen Formmeistern, erfüllt etliche Funktionen und vertritt wie Johannes Itten den dezidiert künstlerischen Ansatz. Als er diesen schwinden sieht, verlässt er das Bauhaus. Als ein in den neunziger Jahren Geborener ist er, wie László Moholoy-Nagy u.a., geprägt von der Avantgarde und den Eindrücken des Krieges. Schließlich wird er, wie Itten, Ludwig Mies van der Rohe,Moholoy-Nagy und so viele andere zum Wahl-Berliner. Der in einer Kleinstadt geborene Sachse beschäftigt sich schon während der Schulzeit mit Malerei und verlässt 1913 die Schule vorzeitig, um sich in München an der vormaligen Kunstschule Azbé einzuschreiben, an der auch Wassily Kandinsky studiert hatte. Im Gegensatz zu diesem wird er allerdings nicht an der Kunstakademie aufgenommen. 1914 will er nach Paris gehen, was durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhindert wird. Stattdessen zieht er nach Berlin, wo er in Kontakt mit expressionistischen Künstlern und der Galerie Der Sturm kommt, an deren Kunstschule er lehrt. Zur neuen Boheme, zu der auch Lyonel Feininger, Itten und Gerhard Marcks gehören, spinnt sich das Netz der Avantgarde, an das Walter Gropius später anknüpft. 1916 findet seine erste
Ausstellung in der Galerie zusammen mit Max Ernst statt. Es folgen Ausstellungen mit Paul Klee und Alexander Archipenko. Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges wird er zum Militärdienst eingezogen. Durch seine Fronterlebnisse wird er zum überzeugten Pazifisten. 1920 holt Gropius den ausgewiesenen Avantgardisten an das Bauhaus in Weimar. Zunächst unterrichtet er in den Vorkursen, ab 1921 wird er dann Formmeister der wenig angesehenen und zutreffend als „Frauenklasse“ bezeichneten Weberei, in der u.a. Anni Albers, Gertrud Arndt, Grete Reichardt und Gunta Stölzl bei ihm studieren. 1923 leitet er die Ausstellungskommission für die Bauhaus-Ausstellung und entwirft das Musterhaus Am Horn. Das Motto der Ausstellung, Kunst und Technik, eine neue Einheit, hält er allerdings für prinzipiell unerfüllbar. 1926 entsteht in Dessau in Zusammenarbeit mit dem Architekturstudenten Richard Paulick das Stahlhaus, eine Konstruktion aus vorfabrizierten Metallplatten. Er verlässt die Schule 1927, als er den Stellenwert der Kunst nicht mehr für gewährleistet hält. Danach arbeitet drei Jahre lang als Lehrer an der privaten Kunstschule seines Freundes Itten in Berlin. 1931 wird er Professor für Malerei an der Breslauer Akademie , wo ihm schon 1933 gekündigt wird. Er geht abermals zurück nach Berlin und unterrichtet dort an der Schule Kunst und Werk, der ehemaligen Reimann-Schule, an der auch Alma Buscher-Siedhoff studiert hatte. 1939 gründet er an der Textilingenieurschule in Krefeld eine Meisterklasse für Textilkunst, die er bis 1958 leitet; danach arbeitete er als freier Maler und Grafiker.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009