Friedrich Engemann

Tischler und Architekt, geb. 1898, gest. 1970

 

Er gehört, wie Marcel Breuer und Peter Keler, zu den um 1900 Geborenen. Der Pragmatiker gelangt in der Spätphase des Bauhauses schnell in zentrale Positionen und macht später als Architekt und Designfunktionär in der DDR Karriere. Nach einer Maurerlehre und zwei Jahren Kriegsdienst (bis 1918), besucht der 20-jährige die Baugewerkschule in Görlitz (bis 1922). Anschließend arbeitet er in einem Architekturbüro und als Berufsschullehrer in Chemnitz; nebenbei macht er eine Tischlerlehre. Ab 1926 besucht er die Kunstgewerbeschule in Dresden und wird danach Berufsschullehrer in Dessau. Er schreibt sich 1927 zum Zweitstudium am Bauhaus in Dessau ein. Den Vorkurs absolviert er bei Josef Albers und erhält Unterricht bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Joost Schmidt. 1928 folgt ihm seine Frau, Alma Else Engemann (geb. Imboden) ans Bauhaus; zunächst als Hospitantin, später in der Weberei. Als Lehrer der Abteilung Holz in den Technischen Lehrwerkstätten in Dessau arbeitet er bis 1933. Zudem arbeitet er von 1928 bis 1933 als Lehrer für Baufachzeichnen, Ausbau und darstellende Geometrie am Bauhaus Dessau und ist zeitweise dort Leiter der Bau/Ausbauabteilung und vertritt zeitweilig Ludwig Mies van der Rohe als Leiter der Bau- und Ausbauabteilung. In dieser Zeit nimmt er auch eine Lehrtätigkeit an den Gewerblichen Berufs- und Fachschule in Dessau auf. Er arbeitet danach, wie viele andere, als Architekt ohne Examen. 1933 tritt er in die NSDAP ein.Mit Kriegsbeginn wird er 1939 Soldat und arbeitet als Architekt für Luftschutz-und Fernmeldeschulen. Ab 1948 wird er Lehrer und später Prorektor der Architekturabteilung an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein bei Halle. Seit 1962 sitzt er im Vorstand des Rates für Industrieform im Kulturministerium und ist an zahlreichen repräsentativen Bauten der DDR beteiligt.

 

Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009