Schreibtisch Kant, Hersteller Nils Holger Moormann

Frey + Boge

Produkt und Möbeldesign, Hannover / Niedersachsen

 

Der nur etwa fünf Zentimeter kleine Kunststoffspecht, der am Rücken eines Ordners festgeklemmt wird, bringt Farbe und ein bisschen Gefühl in die häufig so humorfreie Arbeitswelt. Zwei Newcomer aus Niedersachsen, die sich den bunten Bürovogel ausgedacht haben, wollen einfache Lösungen finden und daraus einfach zu handhabende Produkte entwickeln. Ein Konzept, das nicht neu ist, aus dem aber, konsequent angewendet, Neues entstehen kann. „Einfach, aber nicht einfältig“, lautet ihr sinniges Motto. Gleich mit ihren Diplomarbeiten, dem Bürotisch Kant und dem Regalsystem Marketing (beide 2002), demonstrieren sie diesen doppelten Ansatz auf verblüffend schlüssige Weise. Bei Kant schafft ein Knick zusätzlichen Stauraum und Stabilität. Ein Beispiel für „das Naheliegende“, das schwer zu finden ist. Das höhenverstellbare Marketing, dessen Grundidee auf dem Prinzip von Marktständen beruht - und das ohne Werkzeug aufgebaut werden kann -, ist ebenfalls frappierend einfach und dabei recht variabel. Es kann unbegrenzt verlängert und durch Zusatzelemente wie Schubladen oder Computerfächer ergänzt werden. Zudem wird hier der Beweis erbracht, dass zeitgemäße Variationen zum deutschen Dauerthema Systemmöbel möglich sind, und dies auf eine visuell durchaus eindrucksvolle Weise. Dass die beiden originellen Möbelstücke bei Nils Holger Moormann im Programm stehen, verwundert nicht. Hinzugekommen ist nun noch Trick Stick, eine Garderobe, die aus nur drei Kanthölzern besteht und sich qua Eigengewicht selbst an die Wand lehnt. Inzwischen sind auch andere Hersteller auf das findige Duo aufmerksam geworden. So wird von Magazin / Manufactum die Minimalschublade Wandsinn, von Bree eine Umhängetasche und von Richard Lampert ein Servier- und Rollwagen gefertigt. Bei der jungen Kölner Firma Skia gingen die schrägen und nach oben geknickten Sonnenschirme Camerarius in Serie. Die Schattenspender, die zudem einen schönen Blickfang bilden, sind auch ein kommerzieller Achtungserfolg. Prototypen wie der aus zwei gebogenen Flächen bestehende Stapelstuhl, den sie mit dem Sperrholzspezialisten Becker entwickelten, und die neoromantische Gartenbank mit integrierter Straßenlampe, warten noch auf einen Produzenten.