Franz-Rudolf Wildenhain
Grafiker und Keramiker, geb. 1905, gest. 1980
Franz-Rudolf Wildenhain gehört wie Marcel Breuer u.a. zur jüngeren, bereits in die Reformzeit hineingeborenen Generation und reift in der kreativen Atmosphäre des frühen Bauhauses zu einem Neuerer der Keramik. In seiner Geburtsstadt Leipzig macht er eine Ausbildung als Lithograph und eine Lehre bei einem Kunstverlag. Gerade einmal drei Semester verbringt er ab Februar 1924 am Weimarer Bauhaus, eine kurze aber entscheidende Lebensphase. Nach dem Vorkurs bei László Moholy-Nagy und Unterricht bei Paul Klee sowie Wassily Kandinsky studiert er in der keramischen Werkstatt bei Gerhard Marcks und Max Krehan, in der die Studenten Theodor Bogler, Otto Lindig und seine spätere Frau Marguerite Friedlaender ein kreatives Team bilden. Nach der Schließung der Weimarer Schule geht er an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichstein in Halle. Seine Lehrerin ist nun Friedländer, die er 1930 heiratet. Von den Nationalsozialisten entlassen, geht das Paar 1933 in die Niederlande, wo es gemeinsam eine Keramikwerkstatt aufbaut. Da er keinen niederländischen Pass erhält, bleibt er nach der Emigration seiner jüdischen Frau kurz vor der Besetzung Hollands 1940 in die USA alleine zurück. Er richtet eine neue Werkstatt in Amsterdam ein und erhält 1941 einen Lehrauftrag für Keramik an der dortigen Kunstgewerbeschule, an der Mart Stam zu dieser Zeit Direktor ist. 1943 wird er von der Wehrmacht als Soldat eingezogen. Er desertiert 1945 und folgt 1947 seiner Frau in die USA, wo mit ihr in deren Künstlerkolonie Pond Farm in Kalifornien zusammenarbeitet (bis 1949). Nachdem die Ehe 1950 geschieden wurde, erhält er einen Lehrauftrag am Institute of Technology in Rochester bei New York (bis 1970) und baut dort eine eigene Werkstatt auf.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

