Ferdinand Kramer

Architekt und Möbeldesigner, geb. 1898, gest. 1985

Mit 18 Jahren lag der Soldat Kramer, Sohn eines Frankfurter Geschäftsmannes, im Schützengraben vor Verdun und wurde später wegen Befehlsverweigerung in eine Irrenanstalt gesperrt. Nach geglückter Flucht führte ihn sein Architekturstudium in München in diverse Intellektuellenzirkel. Wegen seiner linken Ansichten nannte man ihn den »Roten Ferdinand«. Was ihn nicht hinderte, Möbel für einen befreundeten Baron zu entwerfen. Das Bauhaus, an dem er kurz studierte, fand er enttäuschend, schloss dort aber Freundschaften z. B. mit Gerhard Marcks. Seit Mitte der 20er Jahre arbeitete Kramer unter Stadtbaumeister Ernst May für das »Neue Frankfurt«, realisierte Bauten aus Beton,  Eisen und Glas, darunter ein Altersheim (gemeinsam mit Mart Stam), eine Zentralgarage mit Tankstelle sowie einige Wohnblocks mit typisierten Grundrissen, sämtlich 50 Quadratmeter kleine Wohnungen »für das Existenzminimum «. Seine Hauptaufgabe bestand darin, passende Einrichtungen und Hausrat für die kommunalen Neubauten zu entwerfen, wie jene schlicht-kantigen Typenmöbel, die preiswert und zweckmäßig sein sollten (und von erwerbslosen Tischlern gefertigt wurden). Kramer – neben Erich Dieckmann, Otto Haesler, Karl Schneider und anderen einer der wichtigsten Vertreter der neuen Wohnsachlichkeit außerhalb des Bauhauses – entwickelte auch einen kleinen leistungsfähigen Kohleofen, Lampen, Türklinken, raumsparende Sitzbadewannen sowie Einrichtungen für städtische Kindergärten

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