Carl Jakob Jucker
Silberschmied, geb. 1902, gest. 1997
Wie Marcel Breuer, Lou Scheper u.a. gehört er zu der um 1900 geborenen Schülergeneration. Er ist einer jener Bauhäusler aus der zweiten Reihe, über die nur spärliche Informationen kursieren. Dies ist um so bedauerlicher, da er als Schöpfer der ersten Tischlampe mit Glasschaft, dem Vorläufer der berühmten Bauhaus-Lampe, Protagonist einer jener Dispute ist, für die das Bauhaus aufgrund seiner zahlreichen Innovationen ebenfalls prädestiniert war. Der gebürtige Schweizer hatte seine Ausbildung zum Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich schon abgeschlossen, als er 1922 nach Weimar kommt. Seine Vorbildung ist so gut, dass er bereits im ersten Halbjahr, daseigentlich dem bei Georg Muche absolvierten Vorkurs gewidmet werden sollte, in der Metallwerkstatt unter Christian Dell mitarbeiten konnte. Hilfe war von Nöten, denn man befand sich in den Vorarbeiten zur Ausstellung im Haus Am Horn. Der junge, gestalterisch unerfahrene Schweizer entwarf dafür einige recht technisch und vorläufig anmutende Tischlampen, die allerdings fotografiert und veröffentlicht wurden und bereits denselben Unterbau wie das Modell WA 24 besaßen. Jucker kehrt bereits 1923 in die Schweiz zurück und lernt Wilhelm Wagenfeld, der die Lampe ergänzte, nie kennen. Er wird später künstlerischer Leiter einer Silberwarenfabrik in Schaffhausen und Lehrer an der dortigen Berufschule. Man hätte sich wohl nicht mehr an ihn erinnert,wäre nicht die Bauhaus-Lampe in den achtziger Jahren zum absoluten Designklassiker avanciert,wodurch sich die Frage der Urheberschaft stellte.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

