Carl Fieger
Architekt und Designert, geb. 1893, gest. 1960
Zu einer Generation gehörend, die wie Josef Albers und Marianne Brandt die neuen Kunstströmungen und die Reformbewegung bereits bewusst erlebt, bewegt er sich von Anbeginn im engen Umfeld des Bauhauses, allerdings nur kurze Zeit. Er wird im zweiten Glied, zu einer wichtige Persönlichkeit der modernen Bewegung sowie der Neuen Sachlichkeit – auch bei der Gestaltung von Möbeln. Nach einem Studium in Hochbau und Innenarchitektur arbeitet er ab 1911 zehn Jahre im Berliner Büro von Peter Behrens. Dort lernt er Walter Gropius kennen, wird wie Adolf Meyer dessen Mitarbeiter und folgt ihm 1921 nach Weimar. Er arbeitet bis 1934 im Büro von Gropius und kommt darüber mit allen wichtigen Bauhaus-Künstlern in Kontakt. Ab 1927 ist er selbst Lehrer für Fachzeichnen und darstellende Geometrie innerhalb der Baulehre am Bauhaus in Dessau (bis 1930). Sein eigenes Haus neben der Siedlung Törten und die an der Elbe gelegene Gaststätte Kornhaus gelten als Musterbeispiele des Neuen Bauens. Zudem ist er am Entwurf des Dessauer Bauhausgebäudes und der Meisterhäuser beteiligt. 1930 folgte er Gropius nach Berlin, erhält jedoch keine Arbeitserlaubnis der Reichskunstkammer. 1934 wird er mit Berufsverbot belegt. Im Gegensatz zu seinem Mentor bleibt er in Deutschland und arbeitet während der NS-Zeit für befreundete Architekten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt er
nach Dessau zurück, arbeitet als Stadtbaurat und unterstützt die Wiederbelebung des Bauhauses. Anschließend ist er kurzzeitig Mitarbeiter an der Bauakademie in Ostberlin. Seit 1998 wird von der Stiftung Bauhaus Dessau ein Carl-Fieger-Preis vergeben.
Quelle: Bernd Polster und Volker Fischer, Bauhaus Design. Die Produkte der neuen Sachlichkeit, Köln 2009

