Die große Synthese: Plakat für die Vereinigten Werkstätten, München 1898
Linienführung des Formerfinders: Stuhl von 1901
Kaisers Schutzmänner in Aktion: Karikatur mit Pickelhauben (um 1900)
Runde Sachlichkeit: Dischhaus (Köln 1930)

Bruno Paul

Architekt, Designer und Karikaturist, geb. 1874 in Seifhennersdorf; gest. 1968 in Berlin

 

Einer breiteren Öffentlichkeit ist er heute weitgehend unbekannt. Und doch war Paul, als Architekt ein Vorreiter der modernen Zweckarchitektur, außerdem satirischer Zeichner und erfolgreicher Möbeldesigner, eine Schlüsselfigur der Ersten Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Schließlich beeinflusste er als Hochschullehrer eine Generation von Neuerern, darunter Alma Buscher, George Grosz und Hannah Höch, Adolf Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, .

 

Nach dem Abitur absolvierte Bruno Paul zunächst eine Baulehre, besuchte dann zuerst Kunstgewerbeschule und Akademie Dresden, bevor er an die Münchner Akademie wechselte. Gemeinsam mit Bernhard Pankok, Richard Riemerschmid und Hermann Obrist gründete er 1897 die Münchner Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk. Im selben Jahr veröffentlichte die im Jahr zuvor gegründete satirische Wochenzeitschrift Simplicissimus seine erste Karikatur. 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis, wo die Elite des Reformstils vertreten war, darunter auch Joseph Maria Olbrich, und Richard Riemerschmidt, wurde Paul mit einem Großen Preis, was zu Folgeaufträgen führte, wie etwa die Ausstattung des Wartesaals im Nürnberger Hauptbahnhof und des Transatlantik-Postdampfers Kronprinzessin Cecilie, einem künstlerisch ehrgeizigen Projekt, an wiederum auch Olbrich und Riemerschmid mitwirkten. Danach wurde Paul Hausarchitekt Hausarchitekt der Schiffahrtsgesellschaft Lloyd 1906, als er zum Leiter der Schule des Kunstgewerbemuseums Berlin ernannt wurde, begann seine Lehrtätigkeit. 1907 war er Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. 1910 übertrug man ihm die künstlerische Leitung des Deutschen Pavillions auf der Weltausstellung in Brüssel. Seit 1911 arbeitete er mit den Deutsche Werkstätten in Dresden-Hellerau zusammen.

 

1919 erschien seine programmatische Schrift Erziehung der Künstler an staatlichen Schulen. 1924 wurde Paul, der zu diesem Zeitpunkt schon ein ungewöhnlich umfangreiches Oevre vorweisen konnte, Direktor der Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (heute Universität der Künste) in Berlin. 1923 besuchte Paul mit seinem Freund Riemerschied die erste Bauhaus-Ausstellung in Weimar und wandte sich schließlich, wie so viele andere, der Neuen Sachlichkeit zu. Ein schönes Beispiel ist sein Kölner Dischhaus von 1930. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor er 1933 alle Ämter, konnte aber anonym als Architekt und Designer weiterarbeiten. So entwarf er 1935 für Karl Schmidt-Hellerau das Anbaumöbelprogramm Die wachsende Wohnung, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der Fünfzigerjahre in  Hellerau produziert wurde. 1937 schloss man ihn aus der Preußischen Akademie der Künste aus. Trotzdem wurde Paul von Adolf Hitler geschätzt, sodass er ihn sogar in die Liste der wichtigsten Architekten aufnahm.

 

Nach 1945 arbeitete er zunächst in Frankfurt am Main und Hanau, zog 1951 nach Düsseldorf, wo er hauptsächlich im Ingenieur- und Brückenbau tätig war und kehrte 1957 nach Berlin zurück. Dort starb er 1968. 1955 hatte die Akademie der Künste ihn rehabilitiert.