Axel Kufus
Möbeldesigner, Berlin
„Seite hält Schiene, Schiene hält Boden, Boden hält Schiene, Schiene hält Seite“. Was sich anhört wie ein Stück moderner Poesie, ist in Wirklichkeit die Kurzbeschreibung des Regals Flächennutzungsplan, besser bekannt unter dem Kürzel FNP (1989 für Nils Holger Moormann) – ein Schlüsselprodukt von Axel Kufus. Es ist zugleich Sinnbild für die Magie des Einfachen, für die lebendige Tradition der Systemmöbel deutscher Herkunft und für die Denkrichtung seines Schöpfers. Bekannt geworden ist der gebürtige Essener durch gänzlich anders geartete Entwürfe, wie dem einem Mopp ähnelnden Blauen Sessel oder dem Kellerfensterschrank, bei dem ein mit Metallgittern versehener Betonkasten auf unbearbeiteten Ästen steht (in Zusammenarbeit mit der Bildhauerin Ulrike Holthöfer). Sie stammen aus der exzentrischen Ära des „Neuen Deutschen Designs“. Mit solch sperrigen Objektcollagen boten junge Designer Mitte der 80er Jahre dem herrschenden Funktionalismus die kreative Stirn. Kufus, längst Professor für Produktdesign, begann gerade sein Designstudium in Berlin, damals ein Zentrum der Revolte. Der Weg, den er letztlich einschlug, war jedoch entscheidend durch seine vorausgegangene Ausbildung bestimmt. Der Schreiner mit Meisterbrief gilt manchem heute als deutscher Jasper Morrison. Man kann ihn aber auch als Vertreter urdeutscher Designtugenden sehen. Seine Entwürfe verraten eine profunde Kenntnis der Werkstoffe und ihrer Eigenschaften, gepaart mit Sinn für Materialeinsparung und Beschränkung auf schlichte, stille Formen: ein Funktionalismus auf höherer Ebene, den man durchaus Utilism International nennen könnte, so der Name einer Firma, die Kufus gemeinsam mit Morrison und Andreas Brandolini ins Leben rief. Seine Produkte tragen meist lakonische Namen, wie das Regal Egal (1989 für Nils Holger Moormann) oder der Tisch Kufus. Oft überzeugt die Kombination einer überraschenden Idee mit gestalterischer Prägnanz, wie etwa beim zerlegbaren Sperrholzstuhl Stoeck (1993 für Atoll). Solch sezierende Methode kam auch bei einem wesentlich komplexeren Projekt zur Anwendung, der Office Kitchen. Diese mehrfach ausgezeichnete Büroküche von morgen (2000 für Casawell bzw. Alno) ist durch ihren modularen Aufbau äußerst anpassungsfähig und dabei sehr bescheiden im Bedarf. Nun wurde der Wahl-Berliner als erster Nicht-Franzose eingeladen, Möbel für das exklusive staatliche „atelier du recherche“ in Paris zu gestalten, ein Designritterschlag, für den er sich mit der Serie Dreimöbel bedankte: Schreibtisch, Regal und Nebentisch von kaum zu unterbietender Schlichtheit.


