Das weiße Gold des Nordens. Jugendstil-Porzellan. Beispiel Rörstrand, Schweden in der Neuen Sammlung, Weiden bis März 2012
Die drittälteste Porzellanmanufaktur der westlichen Welt – nach Meißen und Wien – lag in Schweden: gegründet 1726 als Luxuszulieferer des schwedischen Könnigshofes und des Adels in Schloß Rörstrand bei Stockholm. Zwei Jahrhunderte später, in Wendezeiten, als schließlich der Jugendstil ästhetische Traditionen und Gewissheiten auflöste, erlangte das "Weiße Gold" aus Schweden Weltgeltung und zwar insbesondere mit subtiler Unterglasurmalerei und frei geformten, naturalistischen Relief- und Durchbruchdekoren von bewunderter Raffinesse.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verlor das Porzellan seine blaublütige Exklusivität und hielt Einzug auf bürgerlichen Esstischen. Die stilistischen Umbrüche und die neue Kundschaft verlangte ein Umdenken. Deshalb engagierte die Firmenleitung schließlich den Maler Alf Wallander ((1862-1914), der sich, angeregt vom deutschen "Jugendstil" - den die Schweden kurz "Jugend" nannten - auch bereits als Möbelstilist und avantgardistischer Einrichter betätigt hatte (siehe Abbildungen), wie damals so viele seiner kreativen Kollegen, Wallander war es dann auch, der zuerst seinen Landsleuten auf der Stockholmer Kunstindustrieausstellung im Jahr 1897 und dann drei Jahre später auch dem Rest Europas auf der Weltausstellung in Paris imponierte, eine Schau, auf der der Jugendstil respektive Art Nouveau zum Trend wurde, mit dem sich gute Geschäfte machen ließen.
Der Auftritt in Paris katapultierte Rörstrand auf den internationalen Markt. Die Firma expandierte, zog 1926 nach Gothenburg um und bereits zehn Jahre später in eine noch gröpere Fabrik nach Lidköping. Um diese Zeit machte ein Service von Louise Adelbor, das man unter den inzwischen populär gewordenen Begriff "Swedish Grace" subsummierte, in Europa Furore.
In der Ausstellung werden Arbeiten der aufregenden Wallander-Zeit gezeigt, in der, noch stark geprägt vom historistischem Stil-Pluralismus und Einflüssen fernöstlicher Keramik, sich neue Formen und Motive durchsetzten: Nixen und Meerjungfrauen, Medusen, Krebse und andere Wasserwesen, Libellen, Echsen, Schwertlilien, Tulpen, eine Welt zarter Blüten und Blätter, fließender oder bizarrer Formen. Die Ausstellung ist die erste zu diesem Thema in Deutschland.
Zur Ausstellung gibt es den Katalog Rörstrand. Jugendstil-Porzellan aus Schweden ( 224 Seiten mit etwa 300 Abbildungen mit Text in Deutsch und Englisch. Er kostet 49,80 Euro.







