Randscharf – Design in Island im Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt: bis 4. März 2012
Bei nur 320.000 Einwohnern und einer nur rudimentär entwickelten Industrie mag eine Ausstellung über isländisches Design zunächst überraschen. Aber da nun mal Buchmesse war und Island der literalische "Ehrengast", ging auch das MAK auf Spurensuche. Und wer suchet der findet im Land der Wasser- und Feuerspucker dann auch eine lebendige Designszene, mit Schwerpunkt in der Mode, aber auch mit diesen und jenen außergewöhnlichen Produktideen und einem eigenständigen Kommunikationsdesign.
Eine beeindruckende Designvorgabe macht die isländische Landschaft dabei zunächst selbst. Die Vulkaninsel am nördlichsten Rand Europas zeigt sich im Wechsel des Lichts in allenSchattierungen von Weiß, Violett, Grün, Braun und Schwarz, mit einem oft milchigen Blau der Seen. Fraglos prägt diese Szenerie und mithin die tektonischen Oberflächenstrukturen auch die verschiedenen Gestaltungshaltungen. Mehr noch aber ist eine Literarisierung von Design auszumachen, denn die isländische Literatur mit Ihrer Tradition der Sagas stellte über Jahrhunderte und stellt bis heute den Mittelpunkt isländischer Kultur dar. In dem protestantisch fundierten Land fanden so Funktionalität und eine ebenso mythische wie fiktionale Narration zusammen.
Island, das erst seit 1944 über eine nationale Eigenständigkeit verfügt, liegt zwar geographisch am Rande Europas, in den Straßen von Reykjavik fühlt man sich jedoch wie in der Mitte Europas. Die Neuen Medien und eine große Mobilität der isländischen GestalterInnen haben gerade in den vergangenen Jahren ganz neue Entwurfs- und Marktkonstellationen entstehen lassen.
Der Katalog ist zweisprachig und kostet 29 Euro.




