Sense of Furniture – Finn Juhl 100 im Kunstindustrimuseet Kopenhagen vom 10. Februar bis 12. August 2012

 

Die Dänen feiern den 100. Geburtstag von Finn Juhl, einem ihrer großen Möbelformerfinder aus der goldenen Generation der ansonsten reichlich spießigen Nachkriegshahrzehnte, deren Glanz jodoch immer noch das Jetzt zu überstrahlen droht, Denn da gab es noch wirklich was Neues. Juhl galt als Meister der "organischen" Linie, damals der letzte Schrei für alle Petticoat- und Unterbartträger. Wer mehr über diesen sogenannten Stil wissen wollen, schaun auf formweh nach.

 

Sinnliche Möbel

Das dänische Kunstindustrimuseet in Kopenhagen feiert den 100. Geburtstag Finn Juhl‘s mit einer Reihe von Veranstaltungen und einer Ausstellung einiger seiner organischen Meisterwerke und den erst kürzlich restaurierten Ausführungszeichnungen als Hauptattraktion. Ausgewählte Beispiele von Finn Juhls Möbelentwürfen aus Onecollection’s neuer Produktlinie werden gezeigt. Das bedeutet für die Besucher, dass sie ausnahmsweise die Möbel nicht nur betrachten, sondern auch berühren und in ihnen sitzen können – und so eine Erfahrung aus erster Hand von Finn Juhl’s Gestaltung  erhalten können, die über den visuellen Eindruck hinausgeht. Im selben Raum werden außerdem Finn Juhl’s einzigartige und erst kürzlich restaurierte Ausführungszeichnungen dieser Möbelstücke gezeigt. Dadurch werden die Möbelstücke in einen breiten Ausstellungskontext gestellt, welcher zusätzlich noch durch Filme und weiteres Dokumentationsmaterial ergänzt wird.In Verbindung mit der Ausstellung wird außerdem ein kleiner Katalog veröffentlicht.

 

Finn Juhl – ein künstlerischer Möbelgestalter

Als junger Mann träumte Finn Juhl davon, Kunsthistoriker zu werden. Sein profundes Verständnis internationaler zeitgenössischer Kunst sowie historischer Kunst blieb eine wichtige Grundlage während seiner gesamten Karriere. Er wurde einer der führenden Möbelgestalter des 20. Jahrhunderts mit einem stark künstlerischen Ansatz.  Während seines Lebens betonte er stets, dass er als Möbelgestalter Autodidakt war. Er lernte Architektur, aber hatte nie die Zeit, seine Studien zu vollenden. Lediglich einige Sommerhäuschen und ein Bungalow wurden von ihm entworfen, alle gekennzeichnet durch radikal modernistische Raumaufteilungen.Seine Karriere als Möbelgestalter begann er in den 1930ern und anders als seine Kollegen, die ausgebildete Schreiner waren, entwarf er schwere, gepolsterte Möbel. Von Beginn an standen seine Möbel im starken Kontrast zum rationalen, traditionellen und geometrischen Design des führenden Gestalters Kaare Klint und seiner Studenten. Juhl wollte die Tradition der Gestaltung nicht einfach fortführen, sondern zog auch Inspiration aus anderen Quellen, besonders der zeitgenössischen Kunst. Somit ähnelten seine Möbel nicht nur den Skulpturen von Henry Moore, Barabara Hepworth und Erik Thommesen, sondern wurde oft auch neben Arbeiten dieser Künstler gezeigt. 

 

Ein Vertreter des dänischen organischen Modernismus

Juhl’s Entwürfe rufen Bewunderung hervor, weil sie eine skulpturhafte Eleganz besitzen, die weit über seine eigene Zeit hinausreicht.  Mit seinen organischen und künstlerisch inspirierten Formen, war Juhl ein Hauptvertreter der organischen Form des internationalen Modernismus. Seine frühen Möbelskulpturen ähneln riesigen Säugetieren.In seinem Hauptwerk, dem „Häuptlingsstuhl“ von 1949, scheinen die organischen, dünn gepolsterten Kontaktpunkte, der Sitz und die Armlehnen, zu  fließen. Die organischen Details des Stuhls erinnern an Werkzeuge indigener Völker. Für Finn Juhl war er bahnbrechend. Speziell zusammen mit Hans J. Wegners gleichzeitigen Möbelentwürfen war er entscheidend für den Durchbruch des dänischen Designs besonders in den USA.Die amerikanische Avantgarde hatte kein Problem damit, Juhl’s dynamische Linien aufzugreifen. Immerhin waren die USA das Land, welches das Stromliniendesign in den 1930ern eingeführt hatte. Nach dem Krieg wurde der europäische Modernismus von der amerikanischen Künstlerelite fortgeführt, die Juhl mit offenen Armen begrüßte – teilweise Dank seiner Freundschaft zu Edgar Kaufmann, der Kopf der Designabteilung des New Yorker Museum of Modern Art war. Doch Juhl war nicht einfach nur ein Hauptvertreter des dänischen Designs im Ausland. In den 1950ern war er der Architekt hinter einigen bedeutenden Wanderausstellungen dänischen Designs in den USA und erhielt außerdem wichtige Innendesignaufträge, inklusive der UN-Treuhandratskammer im UN-Hauptquartier in New York..