Sophie Täuber-Arp 1889 - 1943. Bewegung und Gleichgewicht
bis 6. Juni im Arp Museum in Rolandseck
Das an Rheinhang und B9 gelegene, erst 2007 eröffnete Arp-Museum südlich von Bonn lässt die Gründungsquerelen um explodierende Baukosten, falsche Abgüsse und Programmseltsamkeiten hinter sich und besinnt sich auf das, was früher, als man noch der beschauliche "Künstlerbahnhof Rolandseck" war, zu den Selbstverständlichkeiten gehörte: Die Dokumentation des kongenialen Paares Hans und Sophie Arp. Nun ist letztere an der Reihe.
Die aktuelle Austellung zeigt eine Große der Ersten Moderne in ihren ganz besonderen und doch so zeittypischen Facetten. Die Deutsch-Schweizerin Sophie Täuber-Arp, deren Konterfei in ihrem Geburtsland einen 50-Franken-Schein ziert, ist geradezu ein Lehrbeispiel für die Avantgarde in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Die 1889 in Davos geborene Tochter eines Apothekers ging 1911 für drei Jahre an die Debschitz-Schule in München, die viele Prinzipien des Bauhauses vorwegnahm. Danach bestritt sie ihren Lebensunterhalt als Kunsthandwerkerin und begann eine Tanzausbildung bei keinem geringeren als Rudolf von Laban, dem Pionier des Ausdruckstanzes; später auch bei dessen noch berühmterer Schülerin Mary Wigman. Seit 1915 lernte sie auf dem legendären Hügel Monte Verità bei Ascona die Lebensreform-Bewegung und viele Künstler kennen, darunter auch ihren späteren Mann Hans Arp, Mit ihm und anderen begründete sie, während rundherum der 1. Weltkrieg tobte, in Zürich die Dada-Bewegung.
Sie gehörte zur selben Generation wie die Bauhaus-Designerin Marianne Brandt, mit der sie noch weitere Gemeinsamkeiten hat. Beide Malerinnen, natürlich Töchter aus gutem Hause, vernichteten radikal ihr gegenständliches Frühwerk und sind Beispiele für den Versuch, die Trennung von freier und angewandter Kunst - sprich Design - und zugleich die Männervorherrschaft zu überwinden. Sophie Täuber-Arp, eine emanzipierte Künstlerin, die dann doch im Schatten ihres Mannes stand, hinterließ ein Werk von beindruckender Breite und Fülle: es reicht von einem großen Oevre abstrakter Malerei über Dada-Tänze, Marionetten und Inneneinrichtungen bis hin zur Architektur des eigenen Hauses nahe Paris im kantigen Bauhausstil. In der Ausstellung wird all dies exemplarisch aber umfassend dokumentiert. .. bp



