Ulmer Hocker
Hersteller: HfG Ulm
Reeditionen: Zanotta, Wohnbedarf, Vitra
Entwurf: Max Bill, Hans Gugelot, Paul Hilbinger, 1954
Der multifunktionale Kasten aus dem Gründungsjahr der Hochschule für Gestaltung in Ulm ist untrennbar mit dieser legendären Institution verknüpft, die sich als Nachfolgerin des Bauhaus verstand und dieses an Prinzipientreue noch übertraf. Die Konstruktion ist denkbar einfach: drei rechteckige Fichtenholzbretter, rechtwinklig durch Fingerzinken verbunden, ein Rundstab aus Buchenholz, der die Seitenbretter in Bodennähe durchdringt und sowohl als Tragegriff als auch zur Stabilisierung dient. Das ebenso stringente wie asketische Konzept galt als Manifest. Waren Rechteckformen und deren Kombination in Rastersystemen doch das Ideal der Ulmer Neuerer, die rationalistisch geradeaus dachten und denen jeder Schnörkel, jedes Symbol und jede »Unehrlichkeit« ein Gräuel waren. Tatsächlich ist dieses praktische Minimum äußerst vielseitig verwendbar: zum Sitzen in zwei Höhen, als Beistelltisch zum Arbeiten und Frühstücken, als Fußbank, als Transportbehälter, als Tablett, als Podest für Redner und – zu mehreren zusammenstellt – als Sitzbank, Präsentationsfläche und Büchertisch. Außerdem reflektierte die spartanische Formgebung noch
ein anderes Faktum: Aufgrund der permanenten Geldknappheit an der so berühmten Designschule war an eine aufwändige Ausstattung gar nicht zu denken.


